Sanierung der Kath. Kloster- und Pfarrkirche Speinshart

Ein Juwel und sein Ort


Ein erster Kirchenbau entstand in Speinshart im Zusammenhang mit der Klostergründung im 12. Jahrhundert. Archäologische Grabungen bestätigen eine seinerzeit dreischiffige romanische Basilika. 1681 begann der Neubau der barocken Klostergebäude. 1691 wurde schließlich auch der romanische Vorgängerbau der Klosterkirche abgebrochen und durch einen Neubau durch die Baumeister Georg Dientzenhofer sowie Johann Schmutzer ersetzt. Der Baumeister Georg Dientzenhofer starb 1689 in Waldsassen. So wurde die jetzige barocke Kirche in Speinshart unter planender Federführung des Bruders Wolfgang Dientzenhofer ab 1692 errichtet. Im Rahmen der barocken Stuckierungen folgten Modifizierungen und Änderungen in den Architekturgliederungen. Bei Georg und Wolfgang Dientzenhofer wird sogar vermutet, dass ihre Vorstellung der reine Architekturraum ohne die schmückenden Elemente des Hochbarocks gewesen war.

In Speinshart erhielten 1695 die Brüder Lucchese aus dem Schweizer Dorf Mellide am Luganer See den Auftrag für Stuckarbeiten, Freskierung und Anfertigung des Hochaltares einschließlich des Hochaltarbildes. Die Stuckaturen, die 1700 abgeschlossen waren, sind wie auch in Waldsassen und Michelfeld Zeugnisse überschwänglichen Hochbarocks. 1706 wurde die Klosterkirche zu Speinshart eingeweiht. Im Zuge der Säkularisierung übernahm das Königliche Staatsärar (Staatsvermögen, Finanzverwaltung) die Baupflicht für die Kirche. Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Staat und der Kirchenstiftung Speinshart wurde diese mit Vertrag vom 7. Februar 1878 neu geregel


Sanierung der Raumschale 2008 bis 2011

Mit der Innenrenovierung wurde von August 2008 bis Oktober 2010 eine grundlegende Raumschalensanierung geplant und durchgeführt. Das wichtigste Ziel war die Wiederherstellung der Kraftschlüssigkeit der Gewölbeschalen einschließlich Reapplizierung der aufgrund der massiven Schädigung abgenommenen, lockeren Stuckteile.

Ein wichtiger Meilenstein im Entscheidungsprozess, der fachlich durch die zuständigen Referate des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege einschließlich seiner Restaurierungswerkstätten in regelmäßigen Jour-fixe-Besprechungen begleitet wurde, war die ganz zu Beginn der Maßnahme beauftragte Archivrecherche zur Sanierungsgeschichte der Klosterkirche durch einen Kunsthistoriker. Diese führte zu einer Analyse der Sanierungsgeschichte und der Befunduntersuchungen und brachte schließlich ein eindeutiges Ergebnis für die Raumschale zu Tage: Die Rotfassung der sog. Rücklagen. Es handelt sich hier um die flächigen Bereiche, die den weißen, sehr plastischen, hochbarocken Stuck umgeben. Bei der letzten Renovierung um 1954 war eine Ockerfassung an dieser Stelle angebracht worden. Die Befundlage zeigte allerdings zweifelsfrei in ihren Querschliffen eine Rotfassung auf einem ocker Untergrund ohne zwischen liegende Schmutzschicht. Die Wirkung von rot auf ocker ist wärmer als von rot auf weiß, darum wurde diese Verfahrensweise bei der ersten Ausgestaltung der barocken Kirche gewählt. Zudem ist die Farbgestaltung der Fresken, die unverändert geblieben ist und gereinigt, gefestigt, teilweise hinterspritzt und retuschiert wurde, ebenso eindeutig auf eine Rottönung der Rücklagenflächen abgestimmt.


Fassadensanierung 2010 bis 2012

Letzter Baustein dieser großen Kirchensanierung war die Sanierung der Fassaden. Aus Gründen der vorbereitenden Maßnahmen wie Kartierung, Aufmaß und Auswertung der Schäden wurde noch im Spätherbst 2010 für die umfangreichen Untersuchungen das Fassadengerüst aufgebaut. Massive Schäden wiesen die beiden Türme auf, denn hier löste sich der Putz in massiven Brocken. Es ging bei der Sanierung um statische Sicherungen, um die Restaurierung der Putzflächen und der Mosaikglasfelder sowie um das Anstrichsystem generell. Verschiedene Gutachten wurden zur Analyse der Untergrundsysteme aus den Renovierungen der letzten 60 Jahre eingeholt. In Abstimmung mit den geplanten Sanierungsmaßnahmen der Fassaden am Kloster sowie mit dem Landesamt für Denkmalpflege erhielt die Fassade der Klosterkirche eine Fassung in Anlehnung an das sogenannte „Wiltener Rot“ (Basilika und Klosteranlage Wilten, Innsbruck) mit gebrochen weißen Pfeilern. Die Maßnahme wurde 2012 fertig gestellt. Die genehmigten Gesamtkosten betrugen 3,9 Millionen Euro.


Feb. 2013 Dipl.-Ing. Elisabeth Bücherl-Beer


Projektdaten

Projekt: Sanierung der Kath. Kloster- und Pfarrkirche Speinshart | Projektleitung: Dipl.-Ing. Elisabeth Bücherl-Beer | Planung und Ausführung: Staatliches Bauamt Amberg-Sulzbach, Dipl.-Ing. Alfred Grasser | Restauratorische Fachbauleitung: Restaurator Harald Spitzner & Dipl.-Ing. Ruth Apfelbacher Bamberg | Baubeginn: 08.2008 | Fertigstellung: 10.2012